Zick Zack
oder Kanufahren in Jämtland,
Schweden, 10. - 26. Juli 1998

Ein Tagebuch von Christian Eisel


Anreise: Von Mülheim an der Ruhr nach Lillsjöhögen

Freitag, 10. Juli 1998 - Fahrt in den Norden

Samstag, 11. Juli 1998 - Von Stockholm nach Lillsjöhögen
 
 

Freitag, 10. Juli 1998 - Fahrt in den Norden

12 Uhr 30, Jörg trifft ein; leider müssen wir noch etwas warten, da die Waschmaschine noch schleudert. Dadurch beginnt der Start in den langersehnten Urlaub damit, daß wir die S-Bahn um 12 Uhr 46 verpassen. Dies scheint im ersten Moment nicht weiter schlimm, aber... Wir schleppen uns also mit Verspätung zum Bahnhof. Da unsere Fahrkarten erst ab Essen Hauptbahnhof gelten, muß Jörg noch eine Fahrkarte für die S-Bahn lösen. Als er die Karte hat, will er noch schnell Lotto spielen. Der hat Nerven. Wir gehen schon mal vor. Die S-Bahn rollt in den Bahnhof, Jörg erreicht uns mehr oder weniger im letzten Moment und wir steigen ein. Mit dem Schließen der Türen fällt ihm auf, daß er seine Karte nicht entwertet hat. "Guten Tag, Fahrausweise bitte!". Ausgerechnet jetzt erscheint ein Kontrolleur und läßt sich nicht davon überzeugen, daß es sich um ein Versehen in der Hektik handelte und daß wir keine Zeit hatten, die Fahrkarte von Hand zu entwerten. Das macht dann 60 DM. Dazu ist ein Personalausweis nötig, der sich in den Untiefen von Jörgs Rucksack befindet; Jörg wird etwas warm bei der Aktion. Daß wir in Outdoor- Klamotten mit gigantischen Rucksäcken dastehen und offensichtlich in Urlaub fahren, interessiert den Kontrolleur wenig: "Sie können später noch Einwände erheben!". Bravo Deutschland, das Pflichtbewußtsein siegt wieder einmal über den Verstand. Als wir vor drei Jahren ebenfalls in Hektik vergessen hatten unser Scanrail-Ticket in Schweden richtig auszufüllen, hatte der Kontrolleur der SJ mehr Verständnis und erklärte uns bereitwillig, was wir beachten müssen. Andere Länder, andere Sitten.
Am Essener Hauptbahnhof werden wir bereits von Fiete erwartet. Damit sind wir komplett: Silke, Fiete und ich als Wiederholungstäter, Jörg als Novize. Alles läuft wider Erwarten gut, der Zug kommt pünktlich. Die folgenden Fahrt verläuft recht zäh bis Kopenhagen; das einzig Interessante ist die Fähre Puttgarden - Rødby.
In Kopenhagen warten wir bis 23 Uhr 05 auf den Nachtzug nach Stockholm. Wir teilen unseren Liegewagen mit einer Deutschen und einem Japaner aus Tokio, der außer "Hello" nichts sagt und direkt in seine Liege klettert. Daß er aus Tokio ist, erfahren wir dadurch, daß der dänische Zöllner und eine gute halbe Stunde später eine schwedische Zöllnerin nach langwierigen Weckaktionen mit ihm sprechen. Ziemlich unausgeschlafen erreichen wir am

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Samstag, 11. Juli 1998 - Von Stockholm nach Lillsjöhögen

um 7 Uhr 47 Stockholm Centralen.
Nachdem wir die Rucksäcke in den Gepäckfächern verstaut haben (meine Jacke leider nicht, da es ziemlich trübe und nieselig ist) stürmen wir zu Kiki's Bar. Dort gibt man uns zu verstehen, daß erst so gegen 11 Uhr geöffnet wird. Schade, vor drei Jahren hatten wir exakt um die gleiche Uhrzeit mehr Glück.
Zwei Straßen weiter entdecken wir eine schmuddelige Konditorei und genehmigen uns Sandwiches und eine bodenlose Tasse Kaffee.
So langsam klart es auf, die Sonne beginnt uns mächtig einzuheizen. Silke und mir kommt langsam ein fatales Versäumnis zu Bewußtsein: wir haben weder eine ec-Karte noch eine Kreditkarte. Also: Einkaufen auf Jörgs Kosten.
Als um 10 Uhr die Geschäfte öffnen, besorgen wir erst einmal 36 Tüten Blåband-Fertignahrung, ein paar Helly-Hansen-Wäscheteile und andere Kleinigkeiten, u.a. eine Notangel. Die Beute bringen wir erst einmal zum Schließfach und suchen anschließend eine Essensmöglichkeit. Im Restaurant des Pub-Kaufhauses gibt es viermal das Tagesmenue mit Getränk nach Wahl und Salat.
Bei Stadium finden wir noch herabgesetzte Trekking-Sandalen, bevor wir am Königsschloß die restliche Zeit in der Sonne bei 24°C (!) abgammeln. Um 15 Uhr 55 geht unser Zug nach Östersund, nachdem wir den restlichen Kram in die ohnehin schon zum Platzen gefüllten Rücksäcke gestopft haben.
Die folgende fünfeinhalbstündige Zugfahrt ist sterbenslangweilig und zieht sich wie ein Kaugummi. Um 21 Uhr 40 kommen wir in Östersund an, ein kurz vorher mit dem Kanu-Center geführtes Telefonat führte zu nichts, da man mich am anderen Ende nicht verstand.

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Statt dessen erwartet man uns bereits am Bahnhof. Ove's Frau fährt uns und die Berge von Gepäck nach Lillsjöhögen zum Kanu-Center. Noch ist es trocken, bis auf die Wiese, auf der wir zelten können. Während wir aufbauen, kommt ein Pärchen mit dem Kanu an und erzählt uns, wie bescheiden Kanufahren ist. "Viel zu viele Seestrecken, kaum Wildwasser, es war völlig ätzend. Dazu riesige Mückenschwärme und Dauerregen. Das letzte war die Umtragestrecke von vier Kilometern. Kanufahren: nie wieder!" Man rät uns, lieber etwas anderes zu machen. Es wäre kein richtiges Kanufahren. Man hätte sich Wildwasser ohne Ende und vieles mehr versprochen. Wir lassen uns jedoch nicht beirren. Feundlich widersprechen wir nicht, sondern denken uns unseren Teil dabei, auch wenn wir den Frust, den die beiden hier wortgewaltig abladen, gut nachvollziehen können. Andererseits, man muß sich auf Schweden eben immer besonders gut vorbereiten. Zum einen sollte die Ausrüstung stimmen, zum anderen die geistige und körperliche Verfassung. Wir haben Schweden nun schon so oft erlebt, daß wir im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Wassern gewaschen wurden. Wir haben unerträgliche Hitze genauso in Erinnerung, wie zwei Wochen Regen ohne Unterbrechung. Wer hier Urlaub machen will, sollte (nicht viel anders als bei uns) ein umfangreiches Freizeitprogramm vorbereitet haben, damit man sich am zehnten Regentag nicht einfach aufhängt. Oder eine Form des Urlaubs wählen, die keine Langeweile aufkommen läßt. Die Kanuerfahrung fehlte uns noch, aber obwohl wir im dichter besiedelten Teil Schwedens fahren würden, haben wir uns genauso wie auf die Einsamkeit Lapplands eingestellt. So beugen wir jeglichem Wetter- und Mückenfrust vor. Auch Jörg, der zum ersten Mal mitten im Schlamm stecken wird, ist von uns seelisch darauf eingestimmt worden. Er hat sich trotzdem zum Mitfahren entschieden, was er auch nicht bereut hat.
Wir dürfen uns gehacktes Feuerholz nehmen und entfachen, nachdem die Zelte aufgebaut und die Mägen gefüllt wurden, ein riesiges Feuer, welchem nach und nach auch noch das letzte Stückchen Holz zum Opfer fällt. Wir halten bis drei Uhr morgens durch, einfach froh, etwas anderes als Eisenbahnwaggons zu sehen und etwas zu tun zu haben. Am dunkelsten wurde es so gegen zwei Uhr, aber richtig dunkel wird es hier schon nicht mehr. So fallen wir ins Bett und erwarten
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Sonntag, 12. Juli 1998


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© C. Eisel.  Zuletzt aktualisiert am

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