Zick Zack
oder Kanufahren in Jämtland,
Schweden, 10. - 26. Juli 1998

Ein Tagebuch von Christian Eisel


Erste Schritte

Sonntag, 12. Juli 1998 - Es geht los: Lillsjöhögen - Rötviken - Brantön

Montag, 13. Juli 1998 - Von Brantön bis Ålvikfjärden

Dienstag, 14. Juli 1998 - Ruhetag mit Blick auf Torsön



Sonntag, 12. Juli 1998 - Es geht los: Lillsjöhögen - Rötviken - Brantön

Gegen 8 Uhr 30 werde ich ziemlich unsanft von Silke geweckt, die mir zu verstehen gibt, daß unser Zelt ziemlich viel Wasser gemacht hat. In der Nacht hat es furchtbar geschüttet und in der Wiese war das Wasser zu kleinen Tümpeln angestiegen. In einem davon haben wir leider unser Zelt errichtet. Unsere gesamte über Nacht ausgedünstete Flüssigkeit ist am kalten Zeltboden kondensiert und hat Isomatten und Schlafsäcke ziemlich durchfeuchtet. Es regnet immer noch heftig, von kurzen Unterbrechungen abgesehen. Inzwischen haben wir erfahren, daß es gegen zwölf Uhr losgeht. Die kurzen Trockenzeiten nutzen wir zum Frühstücken und zum Abbauen der Zelte. Noch einmal kurz die schicken neuen Plumpsklos benutzt, die Rucksackinhalte in sechs wasserdichte Tonnen verpackt und schon geht es los - fast jedenfalls. Ein Pärchen aus der Schweiz will die gleiche Route fahren, so daß sich der Fahrpreis auf 350 SEK pro Person reduziert. Mit dem Kanuverleiher Ove wird die Route festgelegt, bezahlt und es geht auf die fast dreistündige Fahrt mit dem Landrover und Kanuanhänger Richtung Rötviken. Auf der halben Strecke ein kurzer Halt an der Tankstelle in Föllinge. Auf der Fahrt zeigt uns Ove Biberdämme und diverse Stellen, an denen wir vorbeipaddeln werden. So gegen 16 Uhr 50 sind wir am Ziel und beladen die Kanus. Ove zeichnet für jede Gruppe mit Textmarker die Route auf mehrere Kartenblätter, die in eine wasserdichte Hülle gepackt werden. Er nimmt sich viel Zeit und gibt uns Tips für gute Zeltplätze, Warnungen vor gefährlichen Stellen und entläßt uns nach einer kurzen Photosession in die Wildnis. Die Aufteilung auf die Boote steht fest: Jörg und Fiete wollen gemeinsam stark sein, ich teile das Kanu mit Silke. Ehe wir nochmals darüber nachdenken können, paddeln wir schon auf dem Hotagen. Alle vier Reiseteilnehmer haben noch nie in einem Kanu gesessen, so daß wir uns anfangs in einem elegantem Zick-Zack-Kurs über den See schlängeln. Daher haben wir auch die Kanuwanderversion gewählt, weil man zum Wildwasserfahren eine ausreichende Erfahrung benötigt. Zunächst steuern wir eine kleine Insel an, an der wir rechts abbiegen und am rechten Ufer entlang um den See fahren müssen. An der kleinen Insel (eigentlich sind es zwei) empfängt uns dann ein sehr starker, böiger Wind - natürlich von vorne. Wir haben unsere liebe Mühe, von der Stelle zu kommen. Im Windschatten der Insel einigen wir uns auf unseren Kurs, der allerdings nicht einstimmig angenommen wird. Von nun an kommt der Wind von links vorn und drängt uns sehr stark nach rechts. Nur unter großem Kraftaufwand können wir unsere Richtung halten. Dazu kommt noch, daß uns die Wellen einiges Wasser ins Boot schaufeln. Fast mitten im See kämpft eine Pfadfindergruppe mit den Elementen. Sie erreichen vor uns eine kleine Inselgruppe, bleiben dort aber zu unserem Glück nicht. Etwas kaputt und genervt erreichen wir das Inselchen Brantön und schlagen unser Lager auf. Heute abend gibt es Tee mit Johnnie W. und noch ein paar Dosen Bier.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf. Es ist

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Montag, 13. Juli 1998 - Von Brantön bis Ålvikfjärden

Im strahlenden Sonnenschein bereiten wir nach dem Müsli mit Milch (aus Trockenmilch und Wasser) noch Stockbrötchen (Mehl, Wasser und Backpulver, Gewürz nach Wahl) am Lagerfeuer, so daß wir erst um 12 Uhr in die Boote steigen. Während des Ablegens beginnt es zu tröpfeln und noch beim Überlegen, ob es sich lohnt, die BW-Ponchos anzuziehen, gießt es in Strömen. Regen wechselt sich mit extrem kurzen Trockenperioden ab, in denen wir zunächst noch die Ponchos ausziehen. Später lassen wir sie einfach an, da sich zur Nässe auch noch die Kälte gesellt. Der Himmel zieht sich völlig zu, es ist grau, naß und kalt. Da wir aber am ersten Tag nur drei Kilometer von unseren 140 geschafft haben, beißen wir die Zähne zusammen. Eine kurze Pause mit Müsli-Riegel und einer halben Tafel Schoki schräg gegenüber der Insel Haraön im strömenden Regen, dann weiter an der Halvvägasnäset bis kurz vor die Insel Torsön, bei der wir am Ostufer des Sees Halt machen. Schon die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz fällt schwer, da wir alle inzwischen bis auf die Haut naß sind und entsetzlich frieren. Dazu kommt noch die Anstrengung der Mammutfahrt bei Regen. Kurz gesagt, wir haben alle die Schnauze gestrichen voll, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut. Nun heißt es, trotzdem noch die Zelte aufbauen, einen Windschutz gegen den kalten Wind errichten und ein Feuer zum Aufwärmen entzünden. Diese festgelegte und bewährte Reihenfolge hat ihren Zweck, auch wenn es noch so spießig wirkt. Hier draußen aber, im Kampf mit den Elementen, ist sie aber ein Garant für den Erfolg eines solchen Abenteuers.
Die Zelte stehen; Silke, die am stärksten friert und die dummerweise ihre Jacke offen im Kanu liegen hatte (und die somit triefnaß ist) kann sich im Zelt trockene Sachen anziehen und zum Aufwärmen in den Schlafsack kriechen. Die Sachen haben wir alle in Gefrierbeutel verpackt und zusätzlich in wasserdichten 60-Liter Tonnen untergebracht. So ist gewährleistet, daß immer eine trockene Garnitur zum Anziehen bereit ist. Es ist ein nahezu unbeschreibliches Gefühl, aus den kalten, nassen Sachen heraus und in trockene und sofort warme hineinzukommen. Man fühlt sich sofort wie in einem Luxushotel (na ja, man wird bescheiden). Währenddessen basteln die drei Männer an einem Windschutz aus BW-Ponchos. So blöd wie diese olivgrünen Dinger aussehen, so praktisch sind sie auch. Man kann sie gegen Regen und Wind anziehen, sie zusammengefaltet als leidlich weiche Sitzunterlage benutzen, bei Sonne geben sie einen prima Wärmekollektor-Trockner ab und zur Benutzung als Wind- oder Regenschutz besitzen sie Druckknöpfe, mit denen man mehrere zusammenknöpfen kann, sowie Ösen zum befestigen an Bäumen.
Nach dem Bau des Wind- und Regenschutzes ist auch für uns Herren erst einmal Umziehen angesagt, da man sich sonst schnell eine Erkältung holt. Als nächstes wird eine Suppe gekocht, mit kleingeschnittener Salami "verfeinert" und heiß gegessen. Zum Essen und Trinken benutzen wir Näpfe aus Kunststoff. Diese sehen in ihren grellen Farben und in ihrer Formgebung zwar merkwürdig aus, sind aber uralten und daher wohlbewährten, samischen Trinkgefäßen aus geschnitztem Holz nachempfunden. Heiße Sachen bleiben lange heiß und kalte kalt. Man kann sie so in der Hand halten, daß diese gleichzeitig gewärmt wird. Nach dem Essen ist das Feuer an der Reihe: zum Aufwärmen und für heißes Wasser (für Kakao-Johnnie Walker), was den Brennstoffvorrat schont. Zur Feier des Tages gibt es viel heißen Kakao mit J.W. und jede Menge Erdnüsse. Im Regen mit durchnäßtem Holz funktioniert Feuermachen nur nach Spezialrezept, das heißt, möglichst frische Birkenrinde sammeln, in Schnipseln in der Feuerstelle anhäufeln, darüber Reisig und weitere Schichten mit immer größer werdenden Ästen. Die Birkenrinde brennt wie Zunder, entzündet das Reisig und so weiter. Soll das Feuer längere Zeit brennen, muß man die größeren Scheite am und über dem Feuer trocknen und für den Fall der Fälle kleine Scheite und Rinde bereithalten. Mit vollem Bauch, trockenen Kleidern und lagerfeuergewärmt fühlt man sich sauwohl und stolz wie Oskar, fast 15 Kilometer bei Regen und Kälte geschafft zu haben. Und um unser Glücksgefühl noch zu steigern, hört es auf zu regnen. Wir verlassen nun ganz unseren Regenunterstand und verbrauchen an diesem nun doch gelungenen Abend fast die Hälfte unserer Johnnie-Walker-Vorräte.
Mit mittelschwerem Kopfschmerz empfängt uns

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Dienstag, 14. Juli 1998 - Ruhetag mit Blick auf Torsön

So langsam kommen wir in Fahrt und bereiten zum Frühstück (oder eher Mittagessen) Pfannkuchen auf Fietes Trangia-Kocher - mit Marmelade oder nach Wahl mit Salami oder Käse (wir mußten es ja nicht tragen) - alle sind zufrieden. Fünf Sterne, drei Kometen wie ein berühmter Zeitgenosse sagen würde. Ach ja, zur Vorspeise gab es Müsli. Der Tag bringt stabiles Wetter, lange Strecken Sonne und ein Vollbad von Fiete und mir bei 13°C Wassertemperatur. Beim Hineinspringen bereue ich schon meinen Entschluß - es ist wirklich unbeschreiblich kalt - aber anschließend einfach phantastisch! Trotz Wind (und damit ohne Mücken) hat man ein superwarmes Gefühl. Schnell abtrocknen und im Wärmegefühl im T-Shirt die Sonnenstrahlen genießen. Wir vertrödeln den Tag mit Essen, Klamotten am Feuer trocknen und digestive Nebenprodukte entsorgen. Das ist das unangenehmste Kapitel des Outdoor-Lebens in Nordschweden. Denn kaum hast du die Hose heruntergelassen, hängen auch schon etwa 20 Mücken an deinen Beinen. Da sind schnelle Reaktionen und gute Reflexe lebensnotwendig. Weitere Details möchte ich mir an dieser Stelle sparen...
So vergammeln wir den Tag, opfern allerdings wenig J.W. und stehen erst am

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Mittwoch, 15. Juli 1998

wieder auf,...


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© C. Eisel.  Zuletzt aktualisiert am

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