Flußlandschaft
Sonntag, 19. Juli 1998 - Der Hårkan
Montag, 20. Juli 1998 - Abstecher in die Zivilisation
Dienstag, 21. Juli 1998 - X-gut
Sonntag, 19. Juli 1998 - Der Hårkan
Wir brechen erst so gegen 15 Uhr auf. Schon nach einem Kilometer sollen
wir 800 m umtragen. Keiner glaubt mir, als ich sage, daß Ove davon
überzeugt war, daß wir diese Stromschnelle (Edsforsen)
bei genügend Wasser fahren können. So richtig wild sind nur die
ersten 50 m mit zwei ziemlichen Wellen. Aber ganz rechts in Ufernähe
könnte man durch eine Art Kanal fahren (so wie es aussieht, wohl ein
künstlicher Steinwall). Ganz links ist es sogar eher zu ruhig, sprich
etwas flach. Mein Vorschlag findet keine Mehrheit und da wir die Boote
sowieso schon auf die Wagen gesetzt haben, schieben wir. 800 m weiter ist
die Einsatzstelle. Von dort werden wir mit wenig Strömung mitgenommen,
da der Fluß in eine Art kleinen See mündet. Nach einem Kilometer
wird er wieder schmaler und strömt recht flott weiter. Wieder eine
schöne Abwechslung, auch die dann und wann auftauchenden kleineren
Stromschnellen erfreuen uns doch sehr. Wir überholen die Pfadfindertruppe
(wann sind die an uns vorbeigefahren?) und zwei Personen mit Kanu an einem
Windschutz. Von diesen Einrichtungen finden wir hier am Fluß haufenweise.
Gegen 20 Uhr halten wir am Framstensöra vindskydd und
essen. Dabei werden wir wiederum von der Pfadfindertruppe überholt,
die wir kurze Zeit später wieder überholen und dabei beobachten,
wie sie den Holzvorrat eines Windschutzes komplett in die Boote laden.
So ist das nicht gemeint. Ein bißchen Suchen am Lagerplatz gehört
zum Feuermachen dazu. Diejenigen, die den Windschutz nach einem Kentern
oder sonstwie nötig haben, gucken jetzt ohne Holz in die Röhre...
Nach ein paar Kilometern entscheiden wir uns, am nächsten Windschutz
zu zelten. Leider kommt aber keiner mehr und wir versuchen uns noch an
einer Extratour, drei Kilometer einen einmündenden Fluß hinauf,
um dort Biber zu sehen. Die Paddelei gegen die mit schmaler werdendem Flüßchen
immer stärkere Strömung ist ziemlich anstrengend und endet ohne
Biber kurz hinter einem Kanalrohr, welches unter einer Straße durchführt,
vor einem Wasserfall.
Wir sehen zwar noch nicht einmal einen Damm, aber dafür ein tolles Fleckchen Fluß mit Uferlandschaft vom Feinsten.
Es ist mittlerweile 22 Uhr und die Lufttemperatur fällt auf 8° C. Wir suchen intensiv nach einem Zeltplätzchen, aber nichts ist zu finden. Wir paddeln mittlerweile wieder auf dem Hårkan. Hier gibt es kurz vor der L 88 und der Straßenbrücke schon zu viele Privatgrundstücke. Kurz oberhalb des Kraftwerkes Högfors erklimmen wir ein Steilufer und schlagen kaum 150 m unterhalb der Straße unser Lager auf. Die Kanus bleiben ausnahmsweise fast ganz im Wasser, weil wir sie einfach nicht hinaufziehen können. Wir binden sie an einen Baum. Der Abend gestaltet sich noch ganz nett mit viel Spaghetti und Tee mit Rum. Es ist trotz der Kälte sehr angenehm, nur wenig Wind, der die Mücken von uns fernhält. Der nächste Morgen,
Montag, 20. Juli 1998 - Abstecher in die Zivilisation
sieht schon wieder komplett anders aus. Starker Wind und Regenschauer
machen das Aufstehen schwer. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und
begebe mich aus dem kuscheligen Zelt in ein Ätzwetter. Es ist dunkelgrau,
kalt und der Regen pladdert mit ziemlicher Intensität auf mich ein.
Trotzdem, da mir dieser Lagerplatz mit dem Kopfkissen auf der Landstraße
überhaupt nicht gefallen hat (auch wenn ich geschlafen habe, wie ein
Toter), koche ich Kaffe, verschmore mir dabei am Brenner meinen BW-Poncho
und rühre Milch für Müsli an.Die Trockenmilch schmeckt mit dem kalten,
frischen Wasser übrigens sehr gut. Die anderen geben
erst ein Lebenszeichen von sich, als ich sie mit dem Ruf "Kaffee ist fertig"
aus den Zelten locke. Bei dem Wind und Regen war das Frühstücken
kein besonderes Vergnügen.
Wir sehen zwei Kanuten an uns vorbeiziehen.
Langsam packen wir ein. Die Kanus sind völlig abgetrieben und hängen
am straff gespannten Seil im Fluß. Wir kippen sie um, um das Wasser
herauszulassen, beladen sie und fahren los. Am Kraftwerk müssen wir
300 m umrollen. Schon 250 m vor dem Kraftwerk ist auf Warntafeln zu lesen,
daß jeglicher Bootsverkehr vor dem Kraftwerk verboten ist. In unserer
Phantasie spielen sich wieder die schrecklichsten Szenen von eingesaugten
Kanuten ab, aber wie beim letzten gestaltet es sich an diesem Wehr sehr
ruhig. Wieder staunen wir über die hinter dem Kraftwerk tosenden Wassermassen;
langsam läßt der Regen nach. Sechs Kilometer weiter wartet schon
Lits Camping auf uns. Auf halbem Wege sehen wir noch vier
Kanuten an einem Windschutz. Die restliche Strecke gestaltet sich ruhig,
da wir fast nur darauf bedacht sein müssen, in der Strömung zu
bleiben. Die Anlandung am Campingplatz ist durch die Strömung unterhalb
der Brücke der Inlandsbanan, dem Gegenwind und dem schwerfälligen
Kanu recht interessant. Auf dem Campingplatz melden wir uns an, errichten
unser Lager an einem Windschutz und duschen erst einmal exzessiv, nachdem
wir die lebensnotwendigsten Dinge, wie drei Packungen Mama Scans Skötbullar
und zwölf Dosen Class II Bier im Örtchen gekauft haben. Nach
dem Duschen treffen wir Ove, der gerade die Pfadfinder abholt. Aus ihren
Booten laden sie noch etliche Scheite Feuerholz von dem Windschutz aus.
Was für ein Schwachsinn. Wir versuchen, die Leiter der Gruppe zu erspähen,
doch scheinbar sind sie ohne erwachsenen Beistand unterwegs. Erst später
stellt sich heraus, daß zwei dieser Burschen wohl gerade 18 geworden
sind aber genauso aussehen und genausoviel Unsinn im Kopf haben, wie der
Rest. Zum Beispiel, daß sie allesamt in den wirklich mücken-
und später auch bremsenreichen Gebieten mit kurzen Hosen und teilweise
auch mit kurzen Ärmeln herumgepaddelt sind. Sie sehen fast alle aus
wie Streuselkuchen, komplett mit Stichen bedeckt. Und sie erzählen,
daß sie noch zehn Tage wandern wollen. Na dann, viel Vergnügen.
Inzwischen gesellen sich zu den Pfadfindern noch die vier vom Windschutz.
Es sind wohl die gleichen, wie unmittelbar vor dem Wasserfall. Sie haben
die Nase gestrichen voll und wollen ebenfalls mit Ove fahren. Er bringt
noch zwei Leute weg und holt dann die ganzen Warmduscher ab. Ha!
Wir trinken auf unser Durchhalten nicht nur das Kindergeburtstagsbier
Crocodile Premium mit 3,5 Vol.%, sondern vertilgen auch noch reichlich
Nudeln mit gekaufter Paprika-Oregano-Soße mit Skötbullar. In
unserem Windschutz, mit der vom Platz geborgten Sitzgelegenheit, halten
wir es bis tief in die Nacht aus. Am nächsten Morgen,
Dienstag, 21. Juli 1998 - X-gut
werden wir in den Zelten von der Sonne geweckt.
Die Liegewiese unmittelbar neben uns am See füllt sich bereits. Die Temperatur beträgt gerade
14° C und das Wasser ist höllenkalt. Trotzdem lassen Schwedinnen
und Schweden ihre Hüllen fallen und nutzen das bißchen Sonne.
Auch gebadet wird schon reichlich. Wir schnappen ein kleines Frühstück,
bezahlen und machen uns bei Sonnenschein gegen 14 Uhr auf den Weg über
den Gröven.
Das gestaltet sich reichlich ätzend, da man das Vorwärtskommen über die riesige Wasserfläche und gegen den Wind kaum merkt.
Wir schaffen es bis 18 Uhr zu einem schönen,
sonnigen und windigen Plätzchen am Indalsälven.
Eine große Feuerstelle, Sitzbäume und reichlich Feuerholz machen
es leicht, sich mit Rum und JW die Zeit zu vertreiben. Man erzählt
sich von den Möwen- und Seeschwalbenangriffen, als wir beim Suchen
einer Rastmöglichkeit zu nahe an die Nester kamen, ist froh, von diesem
Campingplatz weg und wieder einigermaßen ungestört zu sein und
plant für den nächsten Tag. Der
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