Zick Zack
oder Kanufahren in Jämtland,
Schweden, 10. - 26. Juli 1998

Ein Tagebuch von Christian Eisel


Rückzug aus Jämtland

Freitag, 24. Juli 1998 - Abreise

Samstag, 25. Juli 1998 - Wieder einmal Stockholm

Sonntag, 26. Juli 1998 - Wieder zu Hause



Freitag, 24. Juli 1998 - Abreise

4 Uhr 15. Aufstehen und Einpacken ist angesagt. Die Vorgänge der Nacht sind jetzt rekonstruierbar: direkt neben unseren Zelten steht ein weiteres mit drei Hockern vor dem Eingang, kein Kanu zu sehen. Ganz schön dreist, so spät noch anzukommen und dann mit einem solchen Lärm in unmittelbarer Nähe Anderer sein Lager aufzuschlagen, wo doch die Wiese ungefähr die Ausmaße eines Fußballplatzes besitzt. Auch Ove war von der Gruppe wenig begeistert, da er bei deren Ankunft auch schon im Bett war und darüberhinaus keine Ahnung hatte, daß die überhaupt kommen wollten!
Pünktlich um 5 Uhr 25 steht Ove mit dem Bus an der vereinbarten Straße. Wir erreichen um 5 Uhr 50, gut über das Leben und die Ereignisse in Jämtland informiert, den Hauptbahnhof in Östersund. Wir bekommen die hinterlegte Kaution zurück, verabschieden uns freundlich und sollen "Kalle in Stockholm" grüßen. Wir dachten, die Schweden seien etwas respektvoller gegenüber ihrer Monarchie - so kann man sich irren. Die Rückfahrt verläuft etwas interessanter, da ich viel zu schreiben und die anderen viel zu lesen haben.
11 Uhr 30 Stockholm im strömenden Regen. Es ist wie verhext, wir fahren immer von der Sonne in den Regen. Wir kaufen uns direkt ein 24-Stunden-Ticket für die Tunnelbanan und starten sofort Richtung Ängbyplan. Dort ist der nächstgelegene Campingplatz, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Alles im Regen aufgebaut und wieder zurück Richtung Zentrum. Dort erst einmal Halt bei Sibylla (Hamburger mit bis zu 200g Fleisch) und dann ist der nächste Anfall von Einkaufsrausch angesagt. Nach diversen Schnäppchen gibt es Essen beim Chinesen und ein bißchen Starköl. Zurück auf dem Campingplatz labern wir noch lange bei Class II - Bier über die Herausforderungen dieser und zurückliegender Touren, die wir heldenhaft gemeistert haben. :-)

Anfang

Am nächsten Morgen

Samstag, 25. Juli 1998 - Wieder einmal Stockholm

das Grauen: typisches Campingplatz-Kindergebrüll, Automotoren, Motorräder, Familienstreit etc. Also ab ins Städtchen, die Fahrkarte läuft um 11 Uhr 50 ab.
Um 11:43 stehen wir an der Haltestelle Ängby und fahren Richtung Innenstadt. Da unser Zug erst um 22 Uhr 30 fährt, haben wir Zeit, um uns Stockholm mit seinem unwiderstehlichen Flair anzusehen. Das Wetter bessert sich und es wird ziemlich warm. Wir kehren sogar noch einmal zum Schließfach zurück, um unsere Jacken unterzubringen. Jörg hat sich einen Schlafsack ausgeguckt, der hier sehr preiswert ist, Silke und ich einen Rucksack, der als Tasche verwendbar ist und einen kleinen Pony-Rucksack besitzt. Gesehen, in diversen Läden Preise verglichen und gekauft. Durch die günstige Krone und den noch günstigeren Kreditkartenkurs machen wir ein gutes Geschäft. Der Schlafsack ist sogar noch etwas günstiger, weil er falsch ausgezeichnet ist und ihn der Verkäufer trotzdem Jörg zum niedrigeren Preis überläßt. Danach schauen wir fast zwei Stunden Inline-Skatern zu, die auf dem großen Platz vor dem Stadtmuseum einiges bieten. So gegen Abend kehren wir bei Pizza-Hut ein, in der Wahnvorstellung, bzw. aus Erinnerung Jörgs an frühere Aufenthalte mit der Firma in Schweden, einigermaßen preiswert essen zu können. Nach der Pizza, die nicht größer ist als ein Cräcker, haben wir noch mehr Hunger als vorher. Dazu kommt noch, daß uns die Bedienung erst jetzt mitteilt, daß das Lesegerät für die Kreditkarten defekt ist und wir am gegenüberliegenden Geldautomaten Geld zu einem schlechten Kurs und mit Gebühren holen müssen. Das war zumindest für mich das letzte Mal, das ich in dieser Kette gegessen habe. Die letzten Stunden versuchen wir, unser Restgeld unters Volk zu bringen, indem wir in einer Kneipe fyra stor starköl bestellen. Anschließend leeren wir die Schließfächer und steigen in den völlig ausgebuchten Nachtzug nach Kopenhagen. Wir beobachten eine Gruppe von Deutschen, die mit riesigen Rucksäcken und zusätzlichen Taschen in den Zug steigen. Unter einigen Schwierigkeiten, denn alle haben etwa drei Dutzend Rentiergeweihe am Rucksack und benötigen reichlich Platz. Mit uns im Abteil fahren ein Schwede, der sofort in sein Bett steigt und erst im letzten Moment vor Kopenhagen wieder herauskommt und eine junge Deutsche aus Kiel. Die ist allerdings ebenfalls im Bett, bevor man ins Gespräch kommen kann. So trinken wir unser letztes Dünnbier aus der Dose und legen uns schlafen.

Sonntag, 26. Juli 1998 - Wieder zu Hause

Die Rückfahrt verläuft noch ziemlich chaosmäßig, ist aber insgesamt nicht mit den Erlebnissen der letzten Tage zu vergleichen und soll die gute Erinnerung nicht schmälern.
Insgesamt war es eine tolle, abwechslungsreiche Erfahrung, die in ähnlicher Form von uns auf jeden Fall wiederholt wird. Leser, die ebenso wie wir Lapplanderfahrung besitzen, kommen in puncto Einsamkeit und landschaftlicher Vielfalt nicht auf ihre Kosten, wenn sie mit "läppischen" Erwartungen an diese Tour gehen. Die Anforderungen sind anders, aber nicht weniger interessant. Hauptsächlich zählt auch hier, die Probleme zu meistern, um hinterher mit einem gewissen Stolz auf das Geleistete zurückzublicken. Es gab viele Momente, in denen man kurz vor der Verzweiflung war, sich aber trotzdem motiviert hat. So ein Urlaub ist keine physische Erholung, aber eine psychische, die besser nicht sein kann. Alle Nachahmer seien aber ausdrücklich auf die Tücken einer solchen Tour hingewiesen, denn auch wenn man Schweden einmal in der Sonne erlebt hat, heißt dies gar nichts. Nur Leute, die in Regen und Kälte genauso gerne etwas unternehmen, sind hier richtig. In den Infos sind einige Ausrüstungs- und Verpflegungstips aufgeführt, auch stehen wir per e-mail so weit es unsere Zeit zuläßt, zu weiteren Auskünften zur Verfügung.

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© C. Eisel.  Zuletzt aktualisiert am

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