Lappland 1995

Erste Erfahrungen nördlich des Polarkreises

(nach einem Tagebuch von Chr. Eisel, bearbeitet von S. Korn)


Inhalt

1    Anreise 9    Von Tuoddar nach Tarraluoppal
2    Erste Nacht in Lappland 10  Såmmarlappa
3    Von der Vuojatätno-Brücke nach Kisuris 11  Tarrekaise
4    Kisuris bis 4 km vor Låddejåkkå 12  Njunjes
5    Aufbruch nach Arasluokta 13  Kvikkjokk - Jokkmokk - Murjek
6    Staloluokta 14  Stockholm
7    Später Aufbruch zur Furt Richtung Tuoddar 15  Malmö - Ystad - Borrby Strand
8    Tuoddar

Wo bin ich?:

Reiseberichte Schweden --- Padjelantaleden 1995 --- Reine Textform

© C. Eisel.  Zuletzt aktualisiert am

home und raus aus fremden frames


Anreise

Inhalt
16. Juli 1995
Um 12 Uhr treffen Fiete und Christina in der Fjällstation Bahnstr. 24 ein, die seit etwa drei Wochen bewirtschaftet wird. Es herrscht ein noch überschaubares Chaos: Brötchen schmieren, spülen, Nudeln essen, packen. Silke tippt noch schnell die geplante Wanderroute und geht mal eben Geld holen. Knapp aber rechtzeitig erreichen wir den Bahnhof. Im Duisburger Hauptbahnhof treffen wir auf Jörg, der uns freundlicherweise beim "kleinen Gepäck" hilft. Völlig überladen mit Rucksäcken und Reiseproviant kämpfen wir uns um 14 Uhr 46 in den Intercity "Westfälischer Friede" - und Christian hat schon keine Lust mehr. Kurz vor Bremen erreicht uns die Durchsage, daß wir aufgrund technischer Probleme etwa 10-15 Minuten später in Hamburg ankommen werden als vorgesehen. Das könnte mit dem Anschluß knapp werden. Wider Erwarten erreichen wir Hamburg um 18 Uhr 10, der bereitstehende "Hamlet" soll um 18 Uhr 27 abfahren. Doch Hamlet öffnet seine Pforten erst um 18 Uhr 26, nicht ohne vorher noch ein gutes Stück den Bahnsteig entlangzufahren. Entschlossen verfolgen wir den Zug 150 lange Meter und stecken mitten in einer guten Rempelei. Am Platz angekommen bemerkt Christian das Fehlen eines seiner Gummistiefel! Angesichts unangenehmer Zukunftsvisionen von Schlamm und Geröll springt er flink zur Waggontür - zu spät. In Gedanken schon beim Stiefelkauf kommt Christian zurück. Stiefelschwingend wird er von Fiete empfangen, der das gute Stück unter einigen Mitreisenden ausfindig gemacht hat. Um 23 Uhr schwingen wir uns in Kopenhagen aus "Hamlet" und um 23 Uhr 15 in den Zug nach Stockholm. Wir legen uns wenig später mit einem Vater und seinen beiden Söhnen aus der Schweiz schlafen.

17. Juli 1995
Eine dreiviertel Stunde vor Stockholm werden wir vom Schaffner geweckt. Um 7 Uhr 29 verlassen wir den Zug und machen uns zügig an die Arbeit: erstens Gepäckaufbewahrung. Dort erklärt man uns, daß es günstiger sei, die Schließfächer zu benutzen. Also auf zum Schließfach, wo wir für 50 SEK zwei Schließfächer ergattern. Danach buchen wir die fehlende Liegewagenreservierung von Gällivare nach Stockholm. Wir verlassen den Bahnhof - Silkes Pullover hat sich gelohnt - und nehmen in Kicki's Café ein Frühstück ein. Noch bevor wir zu Ende gefrühstückt haben, passiert es: es regnet! Den Tag verbringen wir mit Einkaufen in strömendem Regen: etwa fünfmal Åhléns, dreimal Friluftsmagasinet, zweimal Fjällräven, Stadium etc. Christian hat diverse Entscheidungsprobleme. Schließlich erstehen wir mehrere Helly-Hansen-Unterwäsche-Kollektionen, drei Outdoor-Jacken, zwei dicht gewebte Hemden, zwei Hüte, zwei Fleece-Pullis, etwa dreißig Fertiggerichte... Zwischendurch Mittagessen. Um 17 Uhr kehren wir zum Bahnhof zurück, leeren die Schließfächer und packen die neu erstandenen Klamotten unter Aufbietung aller Kräfte in die bereits prall gefüllten Rucksäcke ein. Wir machen uns auf den Weg zum Bahnsteig 10, wie wir bereits vorher in Erfahrung gebracht hatten. Um 17 Uhr 30 gehen wir zum Abschnitt E des Bahnsteiges. Um 17 Uhr 35 verbreitet Christian Panik indem er darauf hinweist, daß der Zug eigentlich schon da sein müßte, da er um 17 Uhr 40 abfahren soll. Da erspäht er die Anzeigetafel von Gleis 4 (welches sich glücklicher- und logischerweise direkt neben Gleis 10 befindet): Narvik! Wir hasten zu Gleis vier. Ein Blick genügt um zu erkennen, daß wir - im Kopfbahnhof - zum letzten der etwa 20 Wagen müssen. Wir steigern das Tempo und bangen um Christians Gummistiefel, die mit jedem Schritt ein Stück weiter aus ihrer Halterung rutschen. Um 17 Uhr 39 erreichen Christian, die Gummistiefel und Fiete Wagen 80, Silke nimmt zunächst mit Wagen 79 vorlieb. Geschafft. In unserem Liegewagenabteil treffen wir auf ein nettes, dänisches Pärchen. Wir blockieren erst einmal vier der sechs Liegeplätze und sind froh, daß offenbar nur fünf Personen im Sechs-Personen-Abteil fahren. Wir sind erleichtert, da unsere Gepäckprobleme gelöst scheinen. Der Schaffner zerschlägt unsere Hoffnungen mit der Mitteilung, daß spät in der Nacht eine weitere Person zusteigt. Mist, wir müssen umräumen. Der sechste Mitfahrer ist ein Schwede mit Taucherfahrung. Er zeichnet uns auf einer Karte der Bahnzeitschrift interessante Tauchplätze ein - diese lassen wir dann aber lässig im Zug zurück. Wir vertreiben uns die Zeit damit, unsere Biervorräte zu schmälern - damit die Schlepperei entschärft wird. Nachdem wir noch den halben Wagen mit Bier versorgt haben, gehen wir schlafen.

18. Juli 1995
Wir verlassen den Zug um 9 Uhr 46 in Gällivare. Noch ehe wir marschbereit sind, haben uns die gräßlichsten Raubtiere dieser Erde gefunden: Mücken! Wir besorgen uns etwas zu Essen und drei Flaschen Djungelolja und nehmen um 11 Uhr den Bus nach Ritsem (120 Kronen/Person). In einer Lappenstation macht der Bus eine halbe Stunde Pause - wir trinken Kaffee. Der Busfahrer ist hier oben offensichtlich nicht nur fürs Fahren zuständig, er ist gleichzeitig auch Postbote (teilweise werden die Postsäcke einfach aus dem Fenster geworfen) und Lebensmittellieferant für die Fjällstationen auf dieser Seite des Akkajaure. Mit zahlreichen Mitreisenden warten wir in Ritsem auf das Boot, daß uns nach Änonjalme bringen soll. Um 16 Uhr geht es dann endlich in Richtung Padjelanta. Auf der Überfahrt gönnen wir uns die letzte Dose Bier.

Erste Nacht in Lappland

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Bei gutem Wetter erreichen wir um 16 Uhr 30 Änonjalme und wandern sofort los, um uns von dem übrigen Pulk abzusetzen. Wir erreichen nach etwa 30 Minuten die Akka-Hütten. Der Müll wird entsorgt und dabei finden die beiden Herren den perfekten Wanderstock für die Dame. Weitere 30 Minuten Marsch und wir erreichen die Brücke über den Vuojatätno. Etwas oberhalb der Brücke findet sich ein schöner Zeltplatz mit Feuerstelle, nicht windgeschützt leider direkt am Weg. Es gibt relativ wenige Mücken, dennoch kommen die Mückennetze erstmalig zum Einsatz. Das Abendessen schmeckt ganz gut, danach machen wir es uns am Lagerfeuer mit Kakao und Rum gemütlich. Christian und Fiete "suchen" sich einen Wanderstock, welchen Fiete sehr liebevoll bearbeitet, wohingegen Christians Schnitzarbeit weniger ästhetischen denn praktischen Aspekten folgt.

Von der Vuojatätno-Brücke nach Kisuris

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19. Juli 1995
Nach einer angenehmen Nacht stehen wir um 9 Uhr auf. Anscheinend sind die übrigen Mitreisenden vom Vortag längst an uns vorbei, denn es ist keine Menschenseele zu sehen. Wir frühstücken gemütlich und lange bei schönem Wetter. Wir beginnen gerade zu packen, da setzt der Regen ein. Dieser überrascht Christian mitten in ausgiebigen Pack-Orgien, Fiete und Silke sind schon weiter und packen schnell das Zelt ein. Christian muß dann auch noch mal die "Landschaft bewundern", der Aufbruch verzögert sich somit etwas. Als wir endlich aufbrechen, läßt der Regen nach und die Bundeswehr-Ponchos bleiben im Rucksack. Wir steuern Kisuris an. Unterwegs gibt es Gletscher zu sehen und wir machen Pause, um uns Landschaft anzusehen. Danach noch mehr Landschaft und diverse Photos. Inzwischen hat sich das Wetter wesentlich gebessert. Wir ruhen und essen etwa eine halbe Stunde an einem Rastplatz (Jåkkåjåkken) und schwitzen ziemlich. Die nächste Pause findet bei der Brücke kurz vor dem letzten Anstieg zu Kisurisstugan statt. Der Wind frischt etwas auf um, wie sich bald darauf herausstellt, stärker zu werden und uns nicht mehr zum Schwitzen zu verleiten. Nach Kisuris machen wir eine Rast mit Suppenpause - Wolken ziehen auf, die Ponchos werden ausgepackt, da der Wind ganz schön pfeift. Wir schleppen uns noch 2 Kilometer weiter. An einem Bach finden wir einen idyllischen Zeltplatz direkt unter einem kleinen Schneefeld. Jetzt gibt es auch noch Nebel und keine Möglichkeit die Klamotten zu trocknen! Die Stimmung nähert sich der Temperatur. Das entfachte Feuer will auch nicht recht, es handelt sich im wesentlichen um Rauchzeichen. Zu allem Unglück ist das Fertigmenü von heute auch noch sehr eigenartig - Nudeln mit Champignons und Banane. Glücklicherweise haben wir jedes Gericht doppelt gekauft! Trotz ausgiebiger Bemühungen scheitern alle Versuche, unsere Kleidung am Lagerfeuer zu trocknen - der Nebel ist schneller. Zum Trost gibt es zwei Kakao mit doppelt Rum - für die Stimmung und gegen die Kälte.

Kisuris bis 4 km vor Låddejåkkå

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20. Juli 1995
Am nächsten morgen ist alles vergessen; die Sonne scheint und die Kleider trocknen in rasender Geschwindigkeit auf den ausgebreiteten BW-Ponchos. Wir beschließen, daß die Ponchos eine Anschaffung waren, die sich absolut gelohnt hat. Christian wagt eine Waschung im Bach. Wir frühstücken gemütlich und machen uns auf eine schöne Wanderung in Richtung der Låddejåkkå-Hütten. Auf dem Weg zur Vuojatätno-Brücke bleiben wir einmal kurz im Sumpf stecken. Nach der Kälte am gestrigen Abend ist es heute sehr warm. An der Brücke werden wir von einem ersten Mückenansturm erfaßt. Trotzdem schmeckt die Suppe noch einigermaßen gut. Wir beobachten dabei ungläubig und mit hochmütiger Rücksicht auf das Alter eine Reisegruppe von etwa 6 Personen, die sich von einem Hubschrauber abholen läßt! Wir hingegen wandern tapfer weiter. Es folgt ein ziemlich qualvoller Anstieg auf etwa 760 Meter zur Westflanke des Låtatj. Alle haben Visionen, die irgendwie die Gestalt von sich drehenden Rotorblättern haben. Wir überwinden den ersten Rentierzaun und sind absolut erschöpft. Wir finden einen Zeltplatz mit überwältigender Aussicht auf den Vastenjaure. Das Tagesziel Låddejåkkå liegt noch etwa 4 Kilometer entfernt. Es ist zwar windig, aber ansonsten schönes Wetter. Wir kochen Abendessen und bauen einen Windschutz. Da der Wind nachläßt, kommen jetzt doch einige unserer kleinen Freunde. In der Ferne beobachten wir Regenfälle (oder ist es Schnee): werden sie uns erreichen? Wir trinken noch ein bißchen Standard-Getränk und sind tierisch schlapp. Die 20 Kilometer haben uns doch mehr angestrengt als wir erwartet hatten. Fiete hat darüber hinaus seit gestern mit einer Erkältung zu kämpfen, er hat starken Schnupfen und Kopfschmerzen. Dazu hat er jetzt natürlich auch noch Halsschmerzen, da er die ganze Zeit durch den Mund atmen muß. Christian genießt noch die Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel, die sich hinter dem Vastenjaure erheben.

Aufbruch nach Arasluokta

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21. Juli 1995
Wir verlassen diesen wunderschönen Platz und brechen nach Arasluokta auf. Zunächst müssen wir ziemlich steil abwärts zu den Låddejåkkåstugan. Wir überqueren den Låddejåkkå und beginnen den Anstieg zum Pårka-Sattel welcher sich als sehr anstrengend erweist. Die einzige Abwechslung ist ein jesus-ähnlicher Eremit, der sich, bei doch recht niedriger Temperatur, lediglich mit einem Handtuch bekleidet, aus seinem Zelt wagt. Wir kämpfen uns bis auf 900 Meter Höhe und machen eine Mittagspause. Es kündigt sich eine Mückeninvasion an. Hier oben ist es sehr feucht und matschig. Schon etwas geschwächt treten wir den Abstieg zum Miellätno an. Am Ende von Silkes Kräften überqueren wir den Fluß, da die Zeltplätze auf dieser Seite besetzt sind (zwei akzeptable Plätze, zwei Zelte). Nach der Flußüberquerung machen wir uns sofort auf Zeltplatz-Suche. Es findet sich ein leidlicher Platz mit derartig vielen Mücken, daß wir es vorziehen, im Zelt zu kochen und zu speisen. Nach ergiebigen Diskussionen bei Johnnie W. über diverse Pinkeltechniken legen wir uns völlig erledigt schlafen. Es regnet in Strömen!

Staloluokta

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22. Juli 1995
Fiete steht um 8 Uhr auf und schreitet zur Vollwäsche (Fiete plus Unterwäsche). Doch treibt ihn nicht das Bedürfnis nach Sauberkeit aus dem Zelt, sondern Christians nervenaufreibendes Schnarchen. Silke ist abgehärtet und steht zusammen mit Christian um 9 Uhr auf. Es regnet leicht, doch beim Einpacken wird der Regen natürlich stärker. Wir machen uns in überaus attraktiver Regenkleidung aus dem Hause BW auf den Weg nach Arasluoktastugorna (etwa 3 Kilometer). Es ist sehr windig und kalt (7°C). Die Wegbeschreibung aus dem Reiseführer stimmt: der Weg ist mühsam und führt über zahlreiche tief eingeschnittene Zuflüsse zu Titerjaure und Virihaure. Wir überwinden den höchsten Punkt des Tages (785 m) und machen uns an den Abstieg zum Seen-Plateau zwischen Stuor-Titer und Unna-Titer wobei wir einen Blick in das Titervagge werfen können. Unterwegs begegnet uns ein munteres Kind - vielleicht auf dem Schulweg? Das Plateau und auch die Strecke am Westhang des Unna-Titer sind überaus sehenswert - leider streikt der Photoapparat. Hier gibt es gute Zeltmöglichkeiten, doch wir beschließen, lieber noch ein Stück zu gehen. Es regnet nicht mehr und wir bleiben die ganze Strecke von Mücken verschont. Etwas oberhalb von Staloluokta finden wir einen netten Zeltplatz mit Blick auf den Virihaure. Wir kochen wieder im Zelt, da es ziemlich kalt ist. Zur Belohnung gibt es heute Kartoffelpuffer. Die Zubereitung erfordert jedoch sehr viel Benzin und wir werden beim nächsten Trip darauf verzichten. Um die Abende etwas abwechslungsreicher zu gestalten trinken wir heute Tee mit Rum.

Später Aufbruch zur Furt Richtung Tuoddar

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23. Juli 1995
Es ist Sonntag und wir schlafen bis neun Uhr. Fietes Erkältung hat bedrohliche Ausmaße angenommen, er liegt völlig groggy in seinem Schlafsack. Silke legt einen Innenzelt-Kosmetik-Tag ein, mit Waschen (auch Haare) und Nägel schneiden - die Überreste der Zivilisation. Außerhalb des Zeltes ist es extrem windig und kalt (immer noch 7°C). Wir wollen erst mal nicht wandern, da Pausen zu ungemütlich wären. Dafür haben wir keine Probleme mit Mücken. Christian unternimmt einen Reparaturversuch an seinem Photoapparat - jetzt stinkt es auch noch nach Schwefel, da er versucht mit Streichhölzern zu löten. Er nimmt dann doch Klebeband, um die Kabel zu verbinden und macht Testphotos. Anschließend backen wir ziemlich viele Pfannkuchen. Erst jetzt stellt sich die wahre Dimension von Fietes Erkältung heraus - er verweigert die Nahrungsaufnahme! Gegen 13 Uhr machen wir ein Nickerchen. Es ist noch immer stürmisch und kalt. Zwei Stunden später packen wir, belästigt durch Fietes Verdauungsstörungen. Eine weitere Stunde und wir brechen nach Staloluokta auf. Wir besichtigen die Lappenkirche und nehmen eine Abkürzung. An einer Weggabelung entscheiden wir uns siegesgewiß für den falschen Weg und landen in fast undurchdringlichem Unterholz. Nach anstrengenden Kämpfen in der Bärenscheiße und im Unterholz eines Birkenwaldes pausieren wir am Kieddejåkkå zwischen Luoppal und Kieddaure und ebenfalls zwischen zwei Wasserfällen. Fiete bewacht die Rucksäcke während Christian und Silke den rechten Weg und die Furt suchen. Nach etwa zwei Stunden kehren sie nach erfolgreicher Odyssee zurück. Fiete ist verschwunden. Kurz darauf taucht er auf und es entbrennt eine heftige Diskussion über Erkundungszeitraum und Erkundungsziel. Damit sich die Gemüter der Herren wieder beruhigen, bauen wir das Zelt auf. Es regnet und wir essen mal wieder im Zelt.

Tuoddar

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24. Juli 1995
Am nächsten Morgen sind wir bei strahlendem Sonnenschein um 10 Uhr 30 marschbereit. Die männliche Mehrheit beschließt, zunächst eine Flußquerung direkt am Zeltplatz zu versuchen, da der Wasserstand stark gefallen ist. Es entstehen einige hübsche Photos, anschließend werden noch ein paar Kleidungsstücke getrocknet. Wir gehen dann doch steil bergauf zum richtigen Weg und zur Furt, die auf der Karte eingezeichnet ist. Nach einer Stunde erreichen wir die Watstelle. Sie läßt sich ohne Schwierigkeiten durchqueren. Nach dem Kälteschock braucht Silke jedoch eine ganze Tafel Schokolade und zwei Müsli-Riegel, um wieder gehtauglich zu werden. Die Rückkehr auf den Padjelantaleden verläuft - wider Erwarten - problemlos. Wir peilen Tuoddar an. Es geht gemächlich aber stetig bergauf. Kurz vor der totalen Erschöpfung tauchen die Hütten von Tuoddar auf und wir suchen uns in Sichtweite einen Zeltplatz. Leider wählen wir einen nicht ganz windgeschützten Platz. Angesichts der Landschaft befällt Fiete eine tiefe Melancholie und er beschwert sich darüber, daß noch nicht einmal ein Baum vorhanden sei, an dem er sich erhängen könne.

Von Tuoddar nach Tarraluoppal

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25. Juli 1995
Christian wird um 5 Uhr 30 durch infernalisches Getöse geweckt. Sturm und Regen zerren am Zelt. Ein Temperaturcheck ergibt 4°C im Zelt! Nach zwei Stunden steht er auf, um das Zelt nachzuspannen und stellt eine Außentemperatur von 3°C fest. Er schätzt eine Windstärke von 6-7, mit noch stärkeren Böen. (Später auf der Rückreise erzählen uns Wanderer im Zug, daß die Böen bis zu 120 km/h erreicht haben.) Eisregen und Hagel setzen ein und gefrieren auf der Zeltplane. Im Innern des Zeltes wird dies durch eigenartige Muster erkennbar. Nichtsdestotrotz frühstücken wir ausgiebig und brechen dann völlig durchgefroren auf. Selbst das in Tuoddar angebotene frische Brot kann uns nicht dazu verleiten, länger hier oben zu verweilen. Wir überqueren die Seenplatte und beginnen den Abstieg zum Vassjajåkkå. Unterwegs begegnen wir Goldregenpfeifern und Flußseeschwalben. Der eisige Wind begleitet uns bis nach Tarreluoppal, wo wir gegen 17 Uhr ankommen. Der Wind wird schwächer und es wird wärmer. Wir umgehen noch den Tarreluoppal und campieren direkt am Ufer.

Såmmarlappa

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26. Juli 1995
Um 9 Uhr ist es noch recht ungemütlich, doch bessert sich das Wetter sehr schnell. Bis Silke eine Waschung durchgeführt hat, ist draußen herrliches Wetter und wir beschließen ein Feuer zu machen und Brot zu backen. Das schmeckt ausnehmend gut nach tagelanger Einheitskost aus Müsli und Pfannkuchen. Um zwanzig nach zwei brechen wir gen Såmmarlappa auf. Obwohl wir gestern schon etwa 3 km der Strecke gut gemacht haben, sind die restlichen 12 Kilometer unendlich lang. Abends erreichen wir endlich Såmmarlappa und ein schwedisches Ehepaar zeigt uns einen guten Zeltplatz direkt am Tarraätno. Es gibt eine fertige Feuerstelle mit bereitgelegtem, gesägten Brennholz. Wir bleiben lange bei leichtem Regen am Feuer sitzen, welches nach zwei Stunden erst so richtig lodert. Das Feuer kriegt die nassen Socken trocken und Christians Handschuh eine Nummer kleiner.

Tarrekaise

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27. Juli 1995
Der Tag empfängt uns zunächst freundlich, aber windig. Wir bereiten gerade ein großes Frühstück mit Brotteig vor, als leichter Regen einsetzt. Wir verbraten nicht nur den Teig zu Brötchen sondern auch unsere Zeit: wir können erst um halb vier nach Tarrekaise aufbrechen. Ein neuer Feind gesellt sich zu uns: geradezu widerlich große Bremsen. Der Weg gestaltet sich anstrengend, da er nahezu ausschließlich aus Steinen und Geröll besteht. Unterwegs beobachten wir eine Schar Kolkraben. Wieder einmal am Ende unserer - beziehungsweise Silkes Kräfte - erreichen wir die Stugan. Wir gehen jedoch tapfer weiter und suchen uns - mit Hilfe eines Querfeld- oder besser Querwaldeinmarsches - einen Zeltplatz. Fiete und Silke bleiben an einem schönen Raucherstein zurück und Christian kundschaftet einen Zeltplatz aus. Da der Raucherstein oberhalb einer malerischen Bucht im Sonnenuntergang liegt, werden noch Photos geschossen. Christian kehrt mit der Nachricht zurück, daß er einen herrlichen Zeltplatz gefunden habe. Das stellt sich als richtig heraus, dazu Brennholz ohne Ende und wir beschließen sofort, hier einen Ruhetag einzulegen. Wir bleiben bis zwei Uhr am Feuer sitzen, um unter wolkenlosem Himmel und bei Tee mit Rum und Johnnie die Mitternachtssonne zu genießen.

28. Juli 1995
Zunächst ist Ausschlafen angesagt. Im Unterholz sichtet Silke ein Pärchen stattlicher Hühnervögel, die nicht identifiziert werden konnten. Wir diskutieren unsere Ausrüstung, die Ergebnisse sind am Ende dieses Berichtes festgehalten. Es ist sehr warm - Christian sitzt schon 10 Minuten im T-Shirt draußen. Nach Brötchenfrühstück - werden immer besser - lümmeln wir am Feuer herum. Der Himmel bedeckt sich etwas. Im beißenden Qualm von Fietes Feuer macht Christian weitere Lötversuche an seiner Kamera. Nachdem Christian gestern eine Salamischeibe in ein Geburtstags-Yes-Tortie verwandelt hat, geht heute der Lötkolben (rostiger Nagel aus Treibgut) am brennenden Stock im Feuer unter. Im Laufe des Tages stellt sich heraus, daß den Herren in unserer Reisegruppe das gute Pfanni-Kartoffelpüree nicht mundet. Sie finden es so schlecht, daß sie einen Teil davon
w e g w e r f e n!!
Die nette Flußseeschwalbe, die gestern so lieblich aber ausdauernd gesungen hat, singt nicht mehr - hat F.F. Schollmeyer etwas damit zu tun? In der Zwischenzeit erringt Fiete das Holzhacker- und Feuermacher-Diplom und Christian kämpft mit der Salami, die anscheinend einen ausgeprägten Hang zu Lappland hat. Heute hat es noch nicht geregnet und es ist inzwischen 22 Uhr. Hiermit ist dieser Tag der erste, absolut regenfreie Urlaubstag!

Njunjes

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29. Juli 1995
Das Frühstück verläuft normal aber mager, da die Vorräte an Kaffee, Mehl (kleine Pfannkuchen) und an Christians und Fietes Müsli zur Neige gehen bzw. letzteres bereits alle ist. Der Weg führt über eine kleine Steigung und wieder hinunter nach sechs Kilometern zur Njunjes-Hütte. Es handelt sich um eine kleine Anlage, die sehr nett gelegen ist. Hier finden wir Informationen über Boots-, Flug- und Busverbindungen. Nach einer kleinen Pause machen wir uns wieder auf den Weg und finden nach etwa anderthalb Kilometern einen spitzenmäßigen Zeltplatz zwischen zwei Flüssen mit separater Feuerstelle und Strand. Silke führt hier zunächst eine Ganzkörperwaschung mit kristallklarem und eiskaltem Wasser durch. Die Herren halten das für überflüssig, da wir morgen Kvikkjokk erreichen werden, das Ziel unserer Wanderung. Das Wetter ist gut und hier in der geschützten Tallage ist es auch nahezu heiß! Wir gruppieren uns um das Feuer und warten auf das Essen, welches heute leider Sjömannsbiff heißt - bäh! Es folgen die rituelle Verbrennung der Wanderstöcke (auf der Fiete besteht), Rum und Bett.

Kvikkjokk - Jokkmokk - Murjek

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30. Juli 1995
Heute müssen wir schon um sechs Uhr aufstehen, da wir auf das Boot nach Kvikkjokk angewiesen sind, das uns der Zivilisation zuführen soll. Mit einem weiteren mageren Frühstück machen wir uns um 8 Uhr 30 auf den 8 Kilometer langen Weg nach Bobäcken zum Bootsanleger. Diesen erreichen wir um halb zwölf und haben somit 30 Minuten Zeit bis das Boot kommt. Der Weg bis hierhin zeichnete sich vor allem durch enormen Mückenreichtum aus. Das Erkennen des Bootsanlegers bereitet uns einige Schwierigkeiten, doch endet der markierte Pfad am Wasser. Vier weitere Personen überzeugen uns von der Richtigkeit unseres Aufenthaltsortes. Ein winziges Boot liefert uns 20 Minuten und 60 SEK später in Kvikkjokk ab. Es ist heiß und wir Essen zuallererst ein EIS!!! Außer Mücken treffen wir hier noch zwei Kampf-Wanderer aus Schwaben. Fleckentarnhose, Springerstiefel, olivgrüne Hemden und der Hut des Afrika-Korps. Am Gürtel zwei Bowie-Messer, auf die Rambo stolz wäre. Nach dem Genuß des Eises begeben wir uns auf die Suche nach der Turist-Service-Station und finden sie. Doch zunächst gehen wir Einkaufen und trinken anschließend nach 14-tägigem Entzug unser erstes Bier - ein Lapinkulta. Christian füllt unsere neuen Vorräte (Mehl, Marmelade, Kaffee, Müsli und Zucker) in die leeren Behälter, währen Fiete und Silke duschen gehen. Um 14 Uhr 25 informieren die Rückkehrer Christian darüber, daß lediglich kalt geduscht werden kann, so daß dieser spontan beschließt, noch ein wenig sein natürliches Aroma beizubehalten. Wir nehmen den Bus nach Gällivare über Jokkmokk um 15 Uhr 45. In der Zwischenzeit wird unser dilettantisches Wissen über die Busverbindungen von einem deutschen Pärchen enttarnt. Sie schlagen uns eine bessere Möglichkeit vor, die uns volle zwei Tage mehr im Süden bringen soll. Der Bus fährt nämlich weiter nach Murjek, wo wir entweder direkt Anschluß an den Zug Kiruna-Stockholm haben oder einen Zubringer-Zug erreichen können. Wir nehmen den Vorschlag an. Das Pärchen steigt in Jokkmokk aus, jedoch nicht ohne uns Übernachtungsmöglichkeiten zu nennen, die wir gegebenenfalls nutzen können. Wir kommen um 18 Uhr 30 in Murjek an und stellen fest, daß unser Zug tatsächlich dort hält! Das bedeutet, daß wir zwei volle Tage gewonnen haben. Die Liegeplätze können im Bahnhof nicht umgebucht werden - wir müssen uns an den Schaffner wenden. Bei Ankunft des Zuges kommt dieser glücklicherweise sofort zu uns und er hat auch noch drei Liegeplätze, die er uns für unsere Reservierung überläßt. Fiete erhält ein separates Bett in einem Abteil mit einer blonden Schwedin, die, wie sich herausstellt, jedoch nicht alleine reist. Pech! Silke und Christian kommen zu einem dänisch sprechenden Schotten und seinen beiden deutsch sprechenden dänischen Cousins. Wir haben eine angeregte Unterhaltung - der Schotte spricht zum Glück auch noch perfekt deutsch! - bis der sechste Mann im Abteil um Ruhe bittet.

Stockholm

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31. Juli 1995
Der Tag beginnt mit sonnigen 26°C. Wir erreichen Stockholm um 10 Uhr 44. Zunächst ändern wir unsere Weiterfahrt und buchen Malmö für 23 Uhr 12. Nach dem Frühstück fällt Fiete in Kaufrausch: er ersteht ein Pyramidenzelt für 800 DM auf Christians Kreditkarte. Silke benötigt mehrere Stunden, um festzustellen, daß es in Stockholm mit ca. 1000 Geschäften weder einen Badeanzug noch eine kurze Hose gibt. Christian ersteht einen Rucksack für 1595 SEK nach lediglich etwa 15 bis 20 Preisvergleichen. Die restliche Zeit vertrödeln wir in Kitti's Bar mit echtem Starköl (vor 21 Uhr zu 23 SEK, danach zu 26 SEK). Wir leeren unsere Schließfächer und Christian bewegt sich von nun an elegant mit zwei Rucksäcken. Die Dame von der Zuggesellschaft betonte nachdrücklich die Wichtigkeit der Reservierung für unseren Zug, so daß wir diese natürlich kauften (6 DM/Person). Der Zug kommt pünktlich und bleibt bis Malmö etwa zu einem Drittel besetzt.

Malmö - Ystad - Borrby Strand

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1. August 1995
Malmö 6 Uhr 45. Wir klären die Verbindung nach Ystad und weiter nach Simrishamn. Zum Frühstück gibt es wie immer eine bodenlose Tasse Kaffee. Um 7 Uhr 53 können wir nach Ystad abfahren und von dort direkt weiter nach Simrishamn. Dort suchen wir den Bus nach Borrby Strand - den es dort aber nicht gibt. Dafür gibt es einen in Skillinge, doch fährt er dort um 9 Uhr 55 und jetzt ist es 10 Uhr. Wir erfahren, daß man von Ystad aus ebenfalls nach Borrby Strand fahren kann ... Für uns lautet die Devise jetzt: auf nach Borrby und, da wir ja entsprechend ausgerüstet sind, zu Fuß weiter nach Borrby Strand. In Borrby angekommen packt Christian seinen Rucksack um und Silke fragt - wie immer - nach dem Weg. Christian und Silke machen sich mit Rucksäcken auf den Weg - Herr Schollmeyer besitzt zusätzlich eine Aktentasche (auch aus dem Kaufrausch in Stockholm). In sengender Hitze machen wir uns auf den 5 Kilometer langen Marsch. Silkes Watschuhe eignen sich überhaupt nicht zum Wandern und erzeugen nach etwa 100 Metern riesige Blasen. Nach qualvollen eineinviertel Stunden kommen wir am Campingplatz an, wo es so schön ist, wie wir es in Erinnerung hatten. Nach Eis und Bier schlafen wir etwas, weil ein Ausflug nach Ystad am selben Tag nicht mehr lohnt. Das verschieben wir auf morgen 10 Uhr. Kurz vor acht werden wir wach und machen etwas zu Essen - Kalops. Nach kurzem Strand gucken gehen wir wieder Schlafen.

2. August 1995
8 Uhr wecken, frühstücken und ab nach Ystad. Das Tagebuch endet hier. Nachzutragen bleibt lediglich ein wunderbares Kreditkartengelage in Malmö, wo wir vor der Rückfahrt nach Deutschland eine Nacht Aufenthalt hatten. Wir verbrachten einige wunderschöne sonnige Tage und kamen gut erholt nach Hause.

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