Nebenan im Zelt wird schon um sechs gelabert; mein Wecker stand auf halb sieben. Na gut, besser zu früh als zu spät.
Letztes Frühstück unter feldmäßigen Bedingungen. Das Brot von gestern wird aufgebacken – Reste essen ist angesagt. Noch ein paar Heißgetränke, dann spülen und packen.
Gegen neun Uhr setzt sich der Tross in Bewegung. Wir überqueren den Damm und erreichen gegen halb zehn die Bushaltestelle. Dort legen wir die Wanderstöcke gut sichtbar ab und warten auf den Bus. Wir haben keine Ahnung, wann der Bus fährt, auf dem Hinweg über den Damm aber auch keinen vorbeifahren sehen. In zwei Stunden fahren 12 Autos vorbei, eins davon zweimal.
Um zehn vor zwölf hält endlich der Bus. Wir öffnen die Gepäckklappen und legen die Rucksäcke hinein. Aber die Türen gehen nicht auf, so dass wir ziemlich wirr draußen stehen. Ich gehe nach vorn, aber da sitzt kein Busfahrer... Nach einer Weile öffnet sich die hintere Tür einen Spalt. Da schaut der Busfahrer raus und erzählt irgendwas von „Dörna“. Heißt „Tür“. Wir schließen messerscharf, dass es ein Problem mit den Türen gibt. Die hintere Türe wird nun von Hand fast ganz geöffnet und wir steigen ein. Ich bezahle mit 166 SEK deutlich weniger pro Person, als auf der Hinfahrt über die gesamte Distanz Gällivare – Ritsem.
Im Bus sitzen die beiden Schweden, die wir am Perikjaure getroffen haben. Wir labern ein wenig, bis sie erzählen, dass sie in der Akka – Hütte von einem schweren Unfall gehört haben. Am Mittwoch oder Donnerstag soll bei einer Übung ein Bergführer an einem Gletscher gegenüber des Perikjaure in eine tiefe Gletscherspalte gefallen sein. Er wurde gesucht, nachdem die Begleitung Hilfe angefordert hatte, jedoch bislang noch nicht gefunden. Schlimme Sache, die natürlich das einzige Thema von Akka bis Ritsem ist.
Wir erreichen Stora Sjöfallet bzw. Vietas und der Bus hat zehn Minuten Aufenthalt. Ich kaufe mir bei der gleichen, unfreundlichen Person wie vor fünf Jahren (s. Bericht 2001) ein Kindergeburtstagsbier (3,5 %), aber es ist eiskalt. Im Bus bei der Hitze ein echter Genuss. Es geht weiter über Kebnats, wo etwa zehn Leute einsteigen, aber keiner bezahlt. Etwas merkwürdig...
Auf den beiden Bildschirmen kann man den Weg per GPS verfolgen. Irgendwann nicke ich aber ein bis kurz vor Gällivare, welches wir gegen 14 Uhr erreichen. Was machen wir mit dem Gepäck? Schließfächer gibt es nicht, auch wenn ich schwören könnte, dass wir 2001 die Sachen genau da eingeschlossen haben. In der Turiststation können wir die Sachen für 25 Sek pro Stück lassen, entscheiden uns aber dann, bei dem schönen Wetter alles unter einen Baum neben dem Bahnhof zu deponieren.
Thomas und Thomas ziehen zuerst los, um sich zu verpflegen. Dann wir. Beim Warten gibt es noch den 90 g Burger mit Getränk für 39,- SEK bei Sibyllas. Die Getränkedosen bringen wir artig in den Supermarkt, um das Pfand zu kassieren.
Im Supermarkt selbst trostlose Leere im Skötbullar – Regal bis auf eine Packung, die ich sofort konfisziere. Auch die 200 g Marabou ist praktisch ausverkauft. Frech... Stattdessen gibt es ein Eis. Ich frage die Kassiererin, wie lange der Laden geöffnet hat. Bis sechs. Sehr gut, denn unser Zug fährt um 19:50 Uhr. Plan B zum Kühlen der Getränke, die wir aus dem normalen ins Kühlregal legen und hoffen, dass sie keiner nimmt, läuft an.
Wir lösen die anderen wieder am Bahnhof ab. Es ist wie immer spannend in Gällivare... Ich besorge mir etwas zu lesen und setze mich dann wie ein Penner wieder in unseren Müll. Bis halb sechs, denn da starten Benjamin und ich zum Supermarkt.
Wir nehmen noch Brot und Käse mit für den Zug und schauen nach Plan B. Tatsächlich, das Bier ist noch da, schön kalt. Zurück zum Bahnhof, noch eine Stunde warten und um 19:35 Uhr schleppen wir uns zum Gleis drei und warten. Der Zug fährt pünktlich ein und natürlich ist es der allerletzte Wagen. Der Zug ist jedoch wesentlich länger als der Bahnsteig, so dass wir von einer Schaffnerin darauf aufmerksam gemacht werden, bitte zu warten. Jetzt wird noch etwas rangiert und mit etwas Verspätung fahren wir ab.
Vor uns im Gang blockiert ein Schwede mit seinem 100 Liter Rucksack den gesamten Wagen. Jetzt quetscht er sich noch an uns vorbei, anstatt als Einzelperson mal kurz in ein Abteil zu gehen uns die Menschenmassen erst einmal vorbei zulassen. Endlich erreichen wir unser Abteil und trinken das immer noch sehr kalte, sogenannte Bier. In Boden nimmt eine sehr gut aussehende, natürlich blonde und tätowierte Schwedin den letzten Liegeplatz ein. Bisher haben wir echt Glück, immer sehr hübsche Frauen in unserem Abteil. Sie wird von einem beleibten, Jogginghosen und T-shirt tragenden Mann mit Riesenbierballon ins Abteil gebracht. Der Typ sieht noch schmieriger aus als wir nach zwei Wochen Wildnis... Hoffentlich ihr Bruder oder so... Sie spricht nicht sondern legt sich sofort hin. Wir machen das ebenso und erwarten