Montag, der 31. Juli 2006.

Wie meistens bin ich als erster wach. Es ist acht Uhr und es waren fast zehn Stunden Schlaf. Ich ziehe mich an und gehe in den Speisewagen. Es ist im Gegensatz zu sonst wenig los auf den Gängen. Ebenso im Speisewagen. Ich nehme das kleine Menü: Käsebrot mit bodenloser Tasse Kaffee für 40 SEK. Nach zwei Tassen habe ich genug und gehe zurück ins Abteil, wo noch alles liegt. Unglaublich. Warten auf Stockholm. Nach neun frage ich, ob mal jemand aufstehen will und langsam kommt Leben in die Bude.

Bis zum Bahnhof gibt es nichts Aufregendes mehr zu berichten. In Stockholm das üblich Drama mit dem Kleingeld für die Schließfächer; 110 Sek diesmal, weil wir weniger Platz für die teilentleerten Rucksäcke brauchen.

Dann zu Ahlens in die Lebensmittelabteilung und Skötbullar, Käse, Brot und Wasser gekauft. Im Stechschritt zum Reichstag, wo wir auf den Treppen zwischen demselben und der Brücke in der Sonne essen. Dabei fällt mir ein Schild auf, nachdem man den Reichstag kostenlos besichtigen kann. Ich schick die Jungs in die Waffenkammer und nehme selbst an einer Führung durch den Reichstag teil, der gerade renoviert wird. Es gibt einiges zu sehen und etwas Geschichte obendrein.

Wir treffen uns um halb vier wieder an der Treppe, Pfand wegbringen, ein Eis für alle und dann ab zum Gleis elf. Riesenandrang, aber wir mussten sowieso reservieren. Beim nächsten Mal werde ich versuchen, einen Tisch zu bekommen. So können die Jungs noch nicht mal Karten spielen.

Nach einer Weile verdrücke ich mich in den Speisewagen und hole Kaffee. Beim zweiten Kaffee bezahle ich nur noch die Hälfte und bleibe gleich da. Hier kann ich ohne Kindergebrüll schreiben. Nichts gegen Kinder, aber direkt neben mir im normalen Wagen sitzt bzw. besser tobt ein verzogenes Blag. Was die sichtlich genervten Eltern auch machen oder dem Kind auch geben, nach spätestens 30 Sekunden verliert es die Lust und wälzt sich lieber schreiend auf dem Boden. Und das noch drei Stunden. Hilfe...

Ich denke, jetzt gibt’s nicht mehr viel zu schreiben. Am Abend werden wir in Malmö sein, nach einer Stunde geht’s dann in den Nachtzug nach Berlin. Ich werde über die Strecke noch einmal nachdenken, denn auch wenn es mit dem Euro-Domino Ticket sehr preiswert ist, kommt mir das alles umständlich vor. Wie gesagt, einfach nochmal nachdenken.

Inzwischen hat der ganz normale Wahnsinn auch den Speisewagen erreicht. Ein völlig betrunkener, über und über tätowierter Vater dreier Kinder hat natürlich nicht reserviert, sondern bringt seine gesamte Familie lieber hier unter. Der Typ schlürft (ja, schlürft!) ein Bier nach dem anderen und rülpst nebenbei völlig ungeniert einen Erzherzog-Johann Gedenkrülpser nach dem anderen. Direkt neben der Klimbim-Familie sitzt ungelogen ein schwedisches Topmodell, ebenfalls mit Kind. Was für ein Kontrast...

 

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